"Mit dem letzten Webdesigner war ich nicht zufrieden" – und was das wirklich bedeutet

Neulich ist mir etwas passiert, das mich zum Nachdenken gebracht hat – und über das ich unbedingt schreiben möchte. Ein potenzieller Neukunde hat sich bei mir gemeldet. Die Anfrage war ausführlich, das Projekt klang interessant. Und dann kam er, dieser eine Satz, der bei mir die Alarmglocken läutet:

„Mit meinem bisherigen Webdesigner war ich leider nicht zufrieden. Meine Wünsche wurden nicht umgesetzt.“

Ich schreibe diesen Artikel nicht, um über irgendjemanden herzuziehen – weder über den Kunden noch über seinen früheren Webdesigner. Ich schreibe ihn, weil dieser Satz so unglaublich häufig vorkommt. Und weil ich finde, dass es sich lohnt, ihn von beiden Seiten zu beleuchten.

Der Satz, der mich nachdenklich macht

Wenn jemand zum ersten Mal mit mir spricht und einer der ersten Sätze lautet: "Mit meinem letzten Webdesigner war ich nicht zufrieden" – dann nehme ich das zur Kenntnis. Aber ich frage mich gleichzeitig: Was genau ist passiert?

Denn dieser Satz kann vieles bedeuten. Er kann bedeuten, dass der vorherige Dienstleister tatsächlich schlechte Arbeit geleistet hat. Er kann aber auch bedeuten, dass die Kommunikation zwischen beiden Seiten nicht funktioniert hat. Oder dass der Kunde Wünsche hatte, die technisch oder gestalterisch schlicht nicht umsetzbar waren – und das nicht verstehen wollte.

Ich sage das nicht, um Kunden pauschal zu kritisieren. Ich sage es, weil es die Wahrheit ist: Nicht hinter jeder gescheiterten Zusammenarbeit steckt ein schlechter Dienstleister.

🤔 Die Frage, die ich mir stelle:

Hat der Kunde seine Wünsche klar und verständlich formuliert? Waren die Erwartungen von Anfang an realistisch? Und hat er dem Webdesigner die Möglichkeit gegeben, das zu erklären, was machbar ist – und was nicht?

Klare Kommunikation ist keine Einbahnstraße

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich es regelmäßig: Kunden haben eine klare Vorstellung im Kopf – aber sie können sie oft nur schwer in Worte fassen. Das ist absolut menschlich und kein Vorwurf. Webdesign ist ein Fachgebiet, in dem viele Konzepte für Außenstehende abstrakt sind.

Gleichzeitig ist es die Aufgabe des Webdesigners, genau nachzufragen. Was meinst Du mit "modern"? Was bedeutet für Dich "übersichtlich"? Was soll der Besucher als Erstes sehen, wenn er die Seite aufruft? Gute Zusammenarbeit beginnt mit guten Fragen.

Wenn eine Zusammenarbeit scheitert, liegt es fast immer an einem oder mehreren dieser Punkte:

  • Die Erwartungen wurden am Anfang nicht klar genug besprochen
  • Es gab kein strukturiertes Briefing oder kein klares Angebot mit definiertem Leistungsumfang
  • Einer der beiden Seiten hat zu wenig kommuniziert – oder zu viel vorausgesetzt
  • Änderungswünsche wurden nicht dokumentiert und führten zu Missverständnissen
  • Technische oder gestalterische Einschränkungen wurden nicht rechtzeitig erklärt

Manche Wünsche lassen sich nicht umsetzen – und das ist kein Versagen

Jetzt kommt der Teil, den ich besonders wichtig finde: Manchmal kann ein Wunsch schlicht nicht so umgesetzt werden, wie der Kunde sich das vorstellt. Das kann technische Gründe haben. Es kann gestalterische Gründe haben. Oder ganz pragmatische: Das Budget reicht nicht, das gewünschte Plugin existiert nicht, das gewünschte Design funktioniert auf Mobilgeräten schlecht.

Ein guter Webdesigner erklärt das. Er sagt nicht einfach "nein", sondern er erklärt warum – und schlägt eine Alternative vor.

Ein Kunde, der in dieser Situation darauf besteht, dass es genau so und nicht anders sein muss, stellt den Dienstleister vor eine fast unlösbare Aufgabe. Und wenn das Ergebnis dann nicht seinen Vorstellungen entspricht, liegt die Unzufriedenheit nicht unbedingt beim Webdesigner.

💡 Meine Erfahrung:

In fast jedem Projekt gibt es einen Moment, in dem ich einem Kunden erkläre, warum eine bestimmte Idee so nicht funktioniert – und eine bessere Alternative anbiete. Das ist keine Ablehnung, das ist Fachkenntnis. Und genau dafür werde ich als Expertin engagiert.

Das Skepsis-Thermometer: Wann ich genauer hinschaue

Ich will ehrlich mit Dir sein: Wenn jemand mit mir über ein neues Projekt spricht und der erste Satz über den vorigen Dienstleister handelt, dann schalte ich innerlich einen Gang zurück. Das ist kein Urteil – aber es ist Skepsis, die mir in meiner Arbeit schon oft geholfen hat.

Denn manchmal gibt es Kunden, die von Dienstleister zu Dienstleister wandern. Nicht weil alle schlecht arbeiten – sondern weil ihre Erwartungen grundsätzlich schwer zu erfüllen sind. Oder weil sie selbst im Projekt viel ändern, wenig Feedback geben, und am Ende trotzdem unzufrieden sind.

Das klingt hart, ich weiß. Aber es ist Teil der Realität im Dienstleistungsbereich. Und ich tue mir selbst keinen Gefallen, wenn ich das ignoriere.

🔍 Meine Fragen bei solchen Anfragen:

Beschreibt der Kunde konkret, was nicht funktioniert hat – oder spricht er nur allgemein von Unzufriedenheit? Hat er eine Vorstellung davon, was er diesmal anders machen möchte? Kann er mir zeigen, was er sich vorstellt? Ist er offen für Feedback und Expertise – oder besteht er auf seiner eigenen Lösung?

Und dann: der kostenlose Designvorschlag

Zu dieser Anfrage gehörte noch etwas, das mich ehrlich gesagt genauso beschäftigt hat wie der erste Satz: Der Kunde wollte einen kostenlosen Designvorschlag sehen – bevor er einen Vertrag unterschreibt.

Ich verstehe den Gedanken dahinter. Man möchte wissen, ob man auf einer Wellenlänge ist. Man möchte sehen, ob der Stil passt. Das ist nachvollziehbar.

Aber ich mache das nicht. Und ich möchte erklären, warum.

Der Dachdecker macht das Dach auch nicht auf Probe

Stell Dir vor, Du rufst einen Dachdecker an. Das Dach ist undicht, es muss saniert werden. Und Du sagst: "Könnten Sie bitte schon mal mit der Arbeit anfangen? Damit ich sehe, wie Sie arbeiten – bevor ich einen Auftrag vergebe?"

Der Dachdecker würde Dich höflich, aber klar ablehnen.

Mit einem Designvorschlag ist es genauso. Hinter einem professionellen Entwurf stecken Stunden an Arbeit: die Analyse Deiner Zielgruppe, die Recherche nach passenden Gestaltungslösungen, die Auswahl von Farben, Schriften und Layouts, die erste Umsetzung. Das ist keine Fingerübung in fünf Minuten – das ist Facharbeit.

Und Facharbeit wird bezahlt. Das gilt für den Dachdecker, für den Steuerberater, für den Anwalt – und für den Webdesigner.

⚠️ Was ein kostenloser Designvorschlag wirklich bedeutet:

Er bedeutet entweder, dass ich nicht wertschätze, was meine Arbeit wert ist. Oder er bedeutet, dass der Vorschlag nicht wirklich durchdacht ist – schnell zusammengeklickt, um den Kunden zu beeindrucken, aber ohne echte Strategie dahinter. Beides wäre nicht in Deinem Interesse.

Was ich stattdessen anbiete

Ich mache keinen kostenlosen Designvorschlag. Aber ich mache etwas anderes: Ich nehme mir Zeit für ein ausführliches Erstgespräch. Kostenlos, unverbindlich, ohne Druck.

In diesem Gespräch lerne ich Dich und Dein Projekt kennen. Du lernst mich kennen. Du kannst mir Fragen stellen, Du kannst Dir meine Referenzen ansehen, Du kannst hören, wie ich über Dein Projekt denke.

Das gibt Dir einen echten Eindruck davon, ob wir gut zusammenpassen – ohne dass ich Stunden unbezahlter Arbeit investiere und Du eine Scheibe Design bekommst, die nicht repräsentativ für das Endergebnis ist.

Denn ein Designvorschlag ohne Briefing, ohne Gespräch, ohne Strategie ist ohnehin nicht das, was Du am Ende haben wirst. Es wäre also für uns beide wenig aussagekräftig.

Was das alles für Dich bedeutet – als potenzielle/r Kund/in

Wenn Du gerade auf der Suche nach einem Webdesigner bist und mit dem letzten nicht zufrieden warst: Ich nehme das ernst und ich urteile nicht. Aber ich werde mit Dir gemeinsam schauen, was in der letzten Zusammenarbeit nicht funktioniert hat – und wie wir es diesmal besser machen.

Dazu gehört Offenheit auf beiden Seiten. Dazu gehört, dass Du bereit bist, Dir anzuhören, was machbar ist und was nicht. Und dazu gehört Vertrauen – das sich beide Seiten erst erarbeiten müssen.

Eine gute Zusammenarbeit beginnt nicht mit einem kostenlosen Designvorschlag. Sie beginnt mit einem ehrlichen Gespräch.

✅ Kurz zusammengefasst:

Nicht jede Unzufriedenheit mit einem Webdesigner liegt am Webdesigner. Klare Kommunikation und realistische Erwartungen sind entscheidend – auf beiden Seiten. Kostenlose Designvorschläge schätzen weder die Arbeit des Designers noch helfen sie dem Kunden wirklich. Was hilft: ein offenes, ehrliches Erstgespräch – auf Augenhöhe.

Hast Du schon mal eine ähnliche Erfahrung gemacht – auf Kunden- oder Dienstleister-Seite? Ich freue mich über Deinen Kommentar oder eine Nachricht. Und wenn Du ein Webprojekt planst: Das Erstgespräch bei mir ist kostenlos, herzlich und ohne versteckte Agenda.

Alle Blogbeiträge anzeigen

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 4 plus 8.